Andreas Laubsch von Rauh Hydraulik: „Die in Anführungszeichen unbedeutenden C-Teile sollten früh genug mit in die Konstruktion aufgenommen werden. Oft ist das letzte Bauteil, das in die Maschine kommt, die Schlauchleitung. Dann steht der Monteur da: Riesenpumpe, Ventilblock daneben, alles fest verschraubt – da gibt es keine Chance, einen massiven sechslagigen 420-bar-Schlauch drumrum zu legen. Das ist fast schon ein Rohr.“

„Was ich noch ergänzen möchte, das sind die Schellenpunkte,“ gibt Peter Witt von Parker an. „Die werden auch immer sehr stiefmütterlich behandelt. Da werden dann schnell noch irgendwo kleine Bleche angeschweißt. Sowas gehört wirklich in die Kons-truktion hinein.“

„Sie sehen auch oft, dass Schlauch- oder Rohrleitungen in Zwangslage gebracht werden“, bringt Ralph Rehberger einen weiteren Punkt ins Gespräch. „Wir reden bei der Hydraulik aber von Pulsation, von Schwingungen, die sich nachteilig auswirken auf Schläuche und Rohre, wenn sie in Zwangslage gebracht werden.“

Peter Witt,
Peter Witt, Parker Tube Fittings, (Bild: fluid)

Die Schellenpunkte werden auch immer sehr stiefmütterlich behandelt. So etwas gehört wirklich in die Konstruktion hinein.

Peter Witt, Parker Tube Fittings

Aber welche Möglichkeiten hat der Konstrukteur, die Verbindungstechnik zu beeinflussen? Schließlich handelt es sich weitestgehend um genormte Bauteile. „Es geht schon einmal damit los, dass die Rohrleitung nicht genormt ist“, sagt Georg Rempel von Voss Fluid. „Das heißt, er kann bezüglich der Verlegung und auch der Rohrgeometrie schon einiges richtig oder falsch machen.“ Für die Montage der Verbindungen sei dann aber in der Konstruktion ausreichend Platz vorzusehen, was zusehends schwieriger wird. Bei mobilen Maschinen etwa wird der verfügbare Bauraum durch neue Abgasvorschriften und damit zusätzliche Aufbauten immer kleiner.

Hinzu kommt, dass auch andere Abteilungen um diesen Bauraum konkurrieren, wie Andreas Laubsch darstellt: „Manchmal hat der Monteur vor Ort keinen Platz, weil der Elektriker bereits ein Kabel dort verlegt hat. Im ungünstigsten Fall kommen die Elektriker am Ende und binden Schläuche mit Kabelbindern zusammen. Die scheuern sich dann gegenseitig auf. Viele haben da inzwischen eingegriffen und haben es verboten, Hydraulikschläuche als Befestigungsmaterial für Elektrokabel zu nehmen, es findet ein Umdenken statt.“

Laut Ralph Rehberger sind Konstruktion und Produktion ist in den vergangenen Jahren zusammengewachsen: „Jeder Konstrukteur, der sich in der Produktion bei einem Prototypen um das Verbauen selbst kümmert, um das Montieren von Leitungen oder das Anschließen von Pumpen, der sich ein Bild verschafft hat in der Produktion und nicht nur an seinem CAD-System, dem passieren solche Verlegefehler in der Regel nicht mehr.“

Ralph Rehberger,
Ralph Rehberger, Hansa-Flex, (Bild: fluid)

Es gibt heute Verschraubungen mit Umformverfahren, die nachweislich zwischen 30 und 35 Prozent weniger Drehmomentaufwand haben.


Ralph Rehberger, Hansa-Flex

Eine Frage des Geldes

Wenn alles sauber konstruiert ist, bleibt am Ende die Frage, warum sich nicht viel mehr Endkunden für die verfügbaren, moderneren Verschraubungssysteme entscheiden – kraftsparender, montagesicherer, dichter. Die Antwort der Experten fällt einhellig aus: Es ist der Preis. „Sie werden überrascht sein“, klärt Ralph Rehberger auf, „selbst bei einer 100.000-Euro-Maschine zahlen etliche Kunden nicht 20 Euro mehr für ein besseres, funktionaleres Verschraubungssystem. Und realistisch gesprochen: Wenn die Mitarbeiter geschult sind und alles richtig machen, ist auch der Schneidring dicht.“ Und Andreas Laubsch ergänzt: „Pumpen und Aggregate entwickeln sich weiter, aber für die Verbindung werden veraltete Bauteile verwendet. Das liegt auch daran, dass sich Kunden und Lieferanten entfremden, wenn C-Teilemanager dazwischen geschaltet werden. Auf der anderen Seite, wenn man jedes C-Teil 20 Prozent teurer macht, wird die Maschine am Ende doch viel teurer. Man kann die Hersteller schon verstehen.“

Gut und schön, sagt da der Redakteur und fragt sich, was denn nach fünf Jahren im Betrieb geschieht, wenn der Instandhalter die Schneidringverschraubung nachzieht und überdreht? Wäre da am Ende nicht doch die weichdichtende Variante besser gewesen? Die Maschine ist aus der Gewährleistung – ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Die fluid-Expertenrunde zur Verbindungstechnik: Früher gab es den sprichwörtlichen Traktor, dem der Eimer zum Darunterhängen gleich mitgeliefert wurde, später hieß es: Irgendwas tropft immer. Die hydraulische Verbindungstechnik – meist die Stelle, an der Öl austritt – gilt als Achillesferse der Fluidtechnik. In unserer Expertenrunde sprachen wir mit Vertretern von Hansa-Flex, Parker, Rauh und Voss darüber, was sich hier verbessern lässt.

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