Aber wie kommt es nun zu den Fehlmontagen, was sind die typischen Fehler? Und was kann daran so schwer sein, eine Mutter anzuziehen? „Das ist leider oft das Denken am Markt“, ärgert sich Laubsch. „Wir reden hier von Standard-Drücken von 200 bis 400 bar, in der Hochdruck-Hydraulik auch über 500 bar. Es geht eben nicht nur um eine Schraube, die irgendwo ein Blech festhalten soll.“ Da komme der Montage eine besondere Bedeutung zu.

„Wir haben das Thema Rohrvorbereitung, also rechtwinkliges Ablängen. Das ist oft nicht sauber gemacht. Ganz krasse Fehler passieren zum Beispiel auch beim Entgraten“, erklärt Peter Witt. „Typische Fehler sind bei großen Verschraubungen Untermontage, bei kleinen Rohrgrößen die Übermontage. Oft liegt das aber auch an der Zugänglichkeit der Komponenten. Man kann einfach an vielen Stellen nicht vernünftig arbeiten. Für ein 42er-Rohr muss ich mit einem 60er-Schlüssel arbeiten. Der braucht Platz. Meist muss ich noch eine zwei Meter lange Verlängerung auf den Schlüssel stecken, um 750 Newtonmeter Anzugsmoment aufzubringen. Wenn das konstruktiv nicht berücksichtigt ist, wird es schwer“, so Witt.

„Die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass große Verschraubungen sehr häufig untermontiert werden und kleine Größen häufig übermontiert“, stimmt Georg Rempel zu. „Wobei man natürlich unterscheiden muss, welche Art der Verbindung man gerade herstellt. Ob es ein Schneidring ist, wo man doch sehr exakt drauf achten muss, was man da macht, weil er wenig Fehler verzeiht, oder ob man ein Unformsystem nimmt, das eine Rückmeldung gibt, weil es einen ganz klar definierten Blockanschlag gibt bei der Montage. Genauso ist das auch bei den Kräften, die man aufbringen muss. Nehme ich einen Schneidring, muss ich deutlich mehr Kraft aufwenden, um den vernünftig zu verspannen als zum Beispiel bei einem Umformsystem oder einer DKO-Dichtkegelverschraubung.“

Georg Rempel,
Georg Rempel, Voss Fluid, (Bild: fluid)

Die Erfahrung zeigt, dass große Verschraubungen sehr häufig untermontiert werden und kleine Größen häufig übermontiert.


Georg Rempel, Voss Fluid

„Wir haben Endkunden am Markt, bei denen war es mit der Montage ein Graus“, berichtet Ralph Rehberger von Hansa-Flex aus seiner Erfahrung. „Über Kopf mussten da schwere Baureihen montiert werden. Da gab es sogar Arbeitsunfälle, weil die sich zum Teil gegenseitig den Schraubenschlüssel an den Kopf gehauen haben. Aber es gibt ja heute moderne Verschraubungen mit Umformverfahren, die nachweislich zwischen 30 und 35 Prozent weniger Drehmomentaufwand haben. Der Konstrukteur sollte sich hier im Vorfeld Gedanken machen. Natürlich ist die Schneidring-Variante altbewährt, aber wenn ich Konstrukteur wäre, dann würde ich auf Elastomer-Lösungen gehen.“

Generell steht die Frage im Raum, welchen Einfluss Konstrukteure schon während der Entwicklung auf die Dichtigkeit der späteren Maschine oder Anlage nehmen können.

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Welche Rolle der Zuverlässigkeit von Hydraulikverbindungen zukommt, wird einem beim Thema Luftfahrt klar. Doch auch am Boden können Leckagen unangenehme Folgen haben. (Bild: © industrieblick, Fotolia)

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