Hirn

Mehr Hirn für die Hydraulik (Bild: Fotolia)

Fluidtechnik, insbesondere die Hydraulik, hat manchmal noch den Ruf einer eher traditionellen Technik. Viel Mechanik, wenig Glitzern und Blinken. Das nährt den Verdacht, dass die Hydrauliker mit neuen Konzepten, wie dem Internet der Dinge oder Industrie 4.0, eher fremdeln. Aber stimmt das wirklich? Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit der Fluidtechnik-Branche? „Ja, die Hydrauliker tun sich vielleicht noch etwas schwer in der Richtung, aber sie haben in den letzten Jahren massiv aufgeholt“, analysiert Benno Birke. Er sollte es wissen, denn Birke ist Technischer Leiter Industriehydraulik bei Bosch Rexroth, einem Unternehmen, das elektrotechnische Lösungen ebenso im Portfolio hat, wie hydraulische. „Indem wir Elektrik und Hydraulik kombinieren, haben wir tolle Möglichkeiten und Synergien“, skizziert er die Chancen.
„Ich finde die Frage, ob die Fluidtechnik 4.0-fähig ist, fast schon irreführend“, ergänzt Günter Schrank, Geschäftsführer von Parker Hannifin Deutschland. „Die Fluidtechnik ist eine in bestimmten Bereichen nicht wegdenkbare Kraft, sie ist ein Bestandteil unserer Technologie heute. Mit der entsprechenden Intelligenz durch Sensoren weiß ich jederzeit, was in meiner Anlage, was in meinen Achsen los ist, dadurch bin ich ja schon voll in dem Thema 4.0 drin. Ich würde das überhaupt nicht als etwas Besonderes darstellen, sondern es ist ein großes Selbstverständnis, dass Industrie 4.0 und Fluidtechnik ganz eng miteinander verknüpft sind, wie viele andere Bereiche auch.“
Für Bastian Deck, General Manager des Kommunikationsspezialisten Hirschmann Automation & Control, ist es keine Frage, dass auch die Hydraulik-Branche Industrie 4.0 können muss: „Wir haben sehr volatile Märkte, die Zyklen werden kürzer, die Ausschläge in den Märkten werden höher. Das bedeutet, wir brauchen definitiv intelligente Lösungen, die zukünftig auch den Endanwender in dieser komplexen Welt unterstützen.“

Was ist Industrie 4.0 überhaupt?

„Industrie 4.0 als Vision treibt eine vollintegrierte, intelligente und ressourceneffiziente Produktion, sie bildet alle Wertschöpfungsketten innerhalb des Unternehmens ab. Das heißt, wir haben vom Kunden über die Produktion bis auf den einzelnen Shop­floor herunter eine hochgradig intelligente und komplex miteinander vernetzte Situation“, führt Deck weiter aus.
„Für mich ist Industrie 4.0 ein technologieneutraler Ansatz mit einer durchgängigen Vernetzung der realen Maschinenwelt mit der virtuellen Welt, unabhängig von Hydraulik, Pneumatik oder Elektrik“, skizziert Benno Birke von Bosch Rexroth seine Sicht. Und Günter Schrank von Parker Hannifin ergänzt: „Wir verknüpfen hier tatsächlich althergebrachte Fertigungsmethoden, industrielle Ansätze, mit der virtuellen Welt, die wir gerade erst begriffen haben durch Smartphones und Internet. Ich denke, dass wir uns über die wirklichen Konsequenzen von Industrie 4.0 und dem, was dahintersteckt, noch gar keine richtigen Gedanken machen können. Da kommen doch Dinge auf uns zu, die wir heute mit unserem herkömmlichen Denken überhaupt nicht begreifen können. Ob wir Industrie 4.0 oder das Internet of Things brauchen oder nicht, das ist heute nicht mehr die Frage. Wir können es nicht mehr aufhalten. Wir sind voll in diesem Prozess, und wir begreifen jeden Tag aufs Neue, welchen zusätzlichen Nutzen uns diese Verknüpfung bringt.“

Experten von Hirschmann, Rexroth und Parker im Gespräch über Industrie 4.0
Experten von Hirschmann, Rexroth und Parker im Gespräch über Industrie 4.0