Wolfgang Kräußlich

Die Überschrift „Hydraulik unter Druck“ hat in etwa die Qualität wie „Rauchverbot auf der Kippe“, zumindest was den Wortwitz angeht. „Geht der Pneumatik die Luft aus?“ weist in eine ähnliche Richtung. Wolfgang Kräußlich

Leider nein! Die Vorwürfe sind nicht aus der Luft gegriffen.

Nehmen wir die Pneumatik: Festo, einer der großen der Branche, hat kürzlich in seiner Jahrespressekonferenz festgestellt, dass das Geschäft mit der Pneumatik zwar gut und stabil sei, ein überdurchschnittliches Wachstum sei allerdings bei der elektrischen Aktuatorik zu verzeichnen.

Und wenn man sich im Oktober auf der diesjährigen Motek-Messe umgesehen hat, dann hat es zwar noch vielerorts Puff und Zisch gemacht, aber immer häufiger mischt sich ein rein elektrisches Klack-Klack dazwischen.

Die Zimmer-Group hat zum Beispiel zwei Greifer vorgestellt, die beide fast identische Leistungsdaten aufweisen, einer elektrisch, der andere pneumatisch. Klingt unspektakulär, bedeutet aber, dass es die Elektrik hinsichtlich Dynamik und Leistungsdichte mit der Pneumatik aufnehmen kann, ihr jedoch gleichzeitig Energieeffizienz und Regelbarkeit voraus hat.

Die lange gepriesenen Vorteile der Pneumatik lösen sich also langsam in Luft auf, und das wird noch schlimmer, wenn Industrie 4.0 kommt.

Industrie 4.0? Sie meinen das ist viel Luft um nichts? Das sehen maßgebliche Personen im Maschinenbau-Musterländle anders: Der grüne (sic!) Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat erkannt, dass Industrie 4.0 für die Zukunft der Unternehmen wichtig ist, wie er in einer Regierungserklärung verlauten ließ.

Und Baden-Württembergs VDMA-Geschäftsführer Dietrich Burk hat seine Maschinenbauer eindringlich dazu aufgerufen, möglichst schnell die Infrastrukturen für Industrie 4.0, also die Smart Factory, zu schaffen. Und zwar nicht nur, sich zu informieren, sondern es auch tatsächlich umzusetzen. Sonst haben Hydraulik und Pneumatik bald keinen Druck mehr. Das können Sie nicht wollen.

Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur

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