Franz Graf

Wenn man zu einem Großereignis wie dem 9. Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium nach Aachen reist, geht einem schon die Frage durch den Kopf:

Was hat sich eigentlich in der Hydraulik- und Pneumatikentwicklung getan im Vergleich zum 8. IFK in Dresden vor zwei Jahren.

Erst recht zieht man Bilanz, wenn nach 34 Jahren Verlagszugehörigkeit, davon viele Jahre bei der Fachzeitschrift fluid, der Ausstieg aus dem Berufsleben naht.

1980 war ein Bauma-Jahr. Die größte ausgestellte Baumaschine war ein 437 Tonnen schwerer Hydraulikbagger von Orenstein & Koppel mit 1730 kW Antriebsleistung und 300 bar Betriebsdruck. Heute ist der PC 8000 von Komatsu ein Titan unter den Baggern.

Er wiegt 800 Tonnen, hat knapp 3000 kW Antriebsleistung und wenn sein Ausleger mit Baggerschaufel komplett ausgefahren ist, erreicht er die Höhe eines achtstöckigen Wohnhauses. Anfang der 80er-Jahre war die Synthese von Fluidtechnik und Mikroelektronik das Hauptthema.

Über die Jahre hinweg bekam man Geräusche und Leckagen besser in den Griff. Ebenso die Energieausnutzung und das Leistungsgewicht – ein unbestreitbarer Vorteil der fluidtechnischen Antriebe gegenüber allen anderen. Aber auch das Proportionalventil kam auf und kolbenstangenlose Zylinder haben die Industriepneumatik mächtig nach vorne gebracht.

„Und sie kommt doch“ überschrieb Mitte 1980 mein Vorgänger Eberhard Reinke sein Editorial. Nicht ohne Grund, denn die Wasserhydraulik hielt Einzug in die Automobilproduktion. Angefangen hat damit Daimler-Benz im Werk Sindelfingen.

Dieses Szenario führte zwangsläufig dazu, dass die Hydraulikhersteller aufgerufen wurden, nun endlich mehr in der Wasserhydraulik zu tun. Doch die Ölhydraulik-Alternative ist nicht so schnell vorangekommen, wie es anfangs Optimisten noch prognostiziert hatten. Aber wie sagt doch der Volksmund: Stille Wasser gründen tief. Und so ist es auch kein Zufall, dass die Wasserhydraulik auf dem 9. IFK ein Thema war (Tagungsbericht Seite 16).

Was bleibt als Erkenntnis vom Aachener Kolloquium? Die Hydraulik- und Pneumatikszene ist entwicklungsfreudig. Die Erwartungshaltung der Teilnehmer ist in erster Linie der Erfahrungs- und Meinungsaustausch. Den pflegt auch noch nach all den Jahren der erste fluid-Chefredakteur Peter Krumeich. So möchte ich es auch halten und deshalb sage ich zum Schluss nicht ade, sondern man sieht sich.

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Franz Graf, Chefredakteur