Wolfgang Kräußlich

Ich habe in meiner bisherigen Fachjournalistenlaufbahn schon einige Trends kommen und gehen sehen. Manche (wie Computer Integrated Manufacturing, CIM) verschwinden wieder, manche (wie die Energieeffizienz) werden zum Alltagsgeschäft und manche (wie die staubtrockene Hydraulik) werden wohl nie Realität. Wolfgang Kräußlich

Das Spannende daran: Die Auguren sagen der Technologie seit Jahren einen Bedeutungsverlust voraus, was regelmäßig mit aktuellen Beispielen – elektrischen Spritzgießmaschinen oder Pressen etwa – belegt wird.

Doch gleichzeitig geht es der Fluidtechnik allen VDMA-Prognosen zufolge ganz hervorragend, und regelmäßig erhalten wir Berichte darüber, wie Elektromotoren von der Hydraulik verdrängt werden (Interview auf Seite 80). Also was denn nun?

Tatsache ist: Die Hydraulik hat ganz klar ihre Stärken. Egal, ob es riesige Strangpressen sind (S. 22) oder mobile Maschinen (S. 32), überall wo hohe Leistungsdichte und Zuverlässigkeit gefordert sind, ist sie auf längere Sicht unverzichtbar.

Doch auch die Schwächen der Hydraulik kann man nicht einfach wegdiskutieren. Egal wie gut die Dichtungen sind, Leckage lässt sich – das zeigt die Erfahrung – im Laufe eines längeren Anlagenlebens nicht vermeiden. Von den Risiken einer Havarie ganz abgesehen.

In sensiblen Bereichen mag der Einsatz von Bioölen potenzielle Schäden begrenzen, wobei auch hier über alte Weisheiten diskutiert werden sollte, wie die Erkenntnisse aus einem Jugend-forscht-Projekt belegen (S. 28).

Einigen der Nachteile kann begegnet werden, etwa durch den verstärkten Einsatz von Proportionalhydraulik (S. 36). Die erleichtert die Automatisierung und sorgt oft genug dafür, dass die Anlagen länger halten.

Apropos lange halten: Einen weiteren Vorteil der Hydraulik kann man in Sachen Nachhaltigkeit entdecken: Gut konstruiert hält eine Hydraulik sehr lange. Und wo manch sensible elektrische Komponente am Ende ihrer Lebenszeit auf dem Elektroschrott landet, lassen sich die massiven Stahlbauten einer Hydraulik nicht nur recyclen, sondern oft genug auch aufarbeiten und mehrfach weiterverwenden.

Recylindering nennt das die Firma Hoven zum Beispiel (S. 44). Und nachdem Nachhaltigkeit ebenso wichtig ist wie Energieeffizienz, sage ich der Hydraulik an dieser Stelle noch ein langes Leben voraus. Viel Spaß beim Blättern in Ihrer fluid.

Signatur Kräußlich

Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur