Wolfgang Kräußlich

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – ganz so schlimm ist es zwar nicht, aber die Fluidbranche ist derzeit gespalten. Wolfgang Kräußlich

Setzt man für die Umsatzzahlen des Jahres 1980 den Index auf 100 %, so lag der deutsche Maschinenbau 2014 insgesamt bei etwa 370 %.

Die Antriebstechnik (elektrisch und fluidisch) kommt auf knapp 400 % und die Fluidtechnik alleine auf rund 480 % im Vergleich zu 1980. Das sind stolze, überdurchschnittliche Zahlen.

Hydraulik und Pneumatik liefen über viele Jahre dem jeweiligen Konjunkturzyklus entsprechend ähnlich. Betrachtet man die Zahlen der vergangenen fünf Jahre, bietet sich dem Betrachter hingegen ein differenzierteres Bild: Im Krisenjahr 2009 brach der Umsatz der Pneumatik um rund 35 % ein.

Bereits Ende 2010 lag die Branche jedoch wieder über dem Vorkrisenniveau und hat nach einer leichten Seitwärtsbewegung in 2012 nun seit 2013 wieder ein sattes Wachstum zu verzeichnen.

Anders die Hydraulik: Ihr Einbruch lag 2009 sogar bei über 40 %, das Vorkrisenniveau konnte erst Ende 2011 gerade so erreicht werden, und in 2012 sanken die Umsätze sogar wieder auf das Niveau von 2007.

Auf diesem Level stagniert der Umsatz der Hydraulik seither, und während für die Pneumatik auch in 2015 ein weiteres Wachstum von etwa 9 % erwartet wird, sehen die Auguren für die Hydraulik nur ein Wachstum von etwa 3 %. Und selbst dieses Ziel sieht mancher als sportlich an…

Da fragt man sich: Woran liegt‘s? Nun, vor allem die Mobilhydraulik leidet an Chinas Baustopp und dem Krieg in der Ukraine. Zudem drängen Elektroantriebe in die Einsatzbereiche der Stationärhydraulik. Industrie 4.0 ist für viele Hydrauliker noch kein großes Thema.

Das sollte es aber sein, denn die Pneumatik schwimmt derzeit recht gut auf der Industrie-4.0-Welle. Automatisierung ist in, Lösungen für Pick and Place, Verpackung und Handling werden weltweit nachgefragt.

Zudem haben die Luftikusse ihre Hausaufgaben gemacht: Maßnahmen wie leichtere, dezentral am Verbraucher montierbare Ventile, verringerte Leckage und bessere Regelbarkeit reichen derzeit aus, um der elektrischen Konkurrenz Paroli zu bieten.

Aber, das zeigen die Meldungen über Neuheiten, die bei uns eintreffen, auch die Hydraulik schläft nicht. Dezentrale Aggregate mit regelbaren Antrieben, integrierte Zylindereinheiten und Hybridsysteme machen auch hier Hoffnung.

Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur