Wolfgang Kräußlich

Dieser Herbst hatte es in sich – zumindest für die Hydraulik-Branche. Im Oktober gab Linde Hydraulics bekannt, rund 350 seiner 1400 Arbeitsplätze zu streichen. Wolfgang Kräußlich

Schlagen die globalen Krisen des Jahres 2014, von der Ukraine bis nach Syrien, nun doch bis in die Fluidbranche durch? Nicht unbedingt, wie die positive Entwicklung in anderen Bereichen zeigt.

Die Malaise für die unterfränkischen Hydrauliker kommt eher aus China. Dort hatte der Bauboom der vergangenen zehn Jahre für reißenden Absatz deutscher Hydraulik gesorgt. Mit dem Platzen der Immobilienblase wurde auch dem Fluidtechnik-Boom ein jähes Ende gesetzt.

Seit nunmehr zwei Jahren verzeichnet die chinesische Baubranche – mit ihr die mobilen Arbeitsmaschinen und mit denen die darin enthaltene Hydraulik – einen stetigen Rückgang. Eine Analyse dazu von Dr. Gerhard Keuper, Leiter Engineering bei Bosch Rexroth, finden Sie auf Seite 52.

Auch die Landtechnik schwächelt. Im Gegenzug scheinen unter anderem Offshore und Bergbau anzuziehen. Und während Asien kaum für neues Wachstum sorgt, bieten Südamerika und Afrika einen Hoffnungsschimmer.

Tatsächlich scheint es den meisten Unternehmen im Augenblick schwer zu fallen, zu erkennen, wohin die Reise in den kommenden Quartalen führen wird. „Wir haben keinen richtigen Konjunkturzyklus, das Geschehen wabert vor sich hin“, beschreibt es Dr. Ralph Wiechers, der Chefvolkswirt des VDMA.

Eine detaillierte Einschätzung der wirtschaftlichen Lage liefert er in dieser Ausgabe in drei Beiträgen ab Seite 14. Und was wichtige Herstellerunternehmen der Fluid-Branche als größte Herausforderung für die Zukunft sehen, lesen Sie in einer großen Umfrage ab Seite 43. Dort wird im Übrigen auch konstatiert, dass die Ukraine-Krise sehr wohl einen negativen Einfluss auf die Exportlage einiger Unternehmen hat.

Dennoch: Insgesamt kann die deutsche Industrie auch weiterhin auf einen guten Absatz ihrer Produkte hoffen. Denn auch wenn das Primärgeschäft schwächelt, der Bedarf an Ersatzmaschinen und -teilen hält global gesehen an, ja steigt sogar.

Und auch bezüglich der stärker werdenden Konkurrenz aus dem Lager der elektrischen Antriebstechnik gibt sich die Fluidbranche gelassen: Sie integriert die Elektrik einfach in die Fluidtechnik. If you can‘t beat them, join them…

Wolfgang Kräußlich, Leitender Chefredakteur

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