Mario Heitmann
"Solange von den Maschinenbauern verlangt wird: 'ihr macht das alleine, ohne interdisziplinäre Vernetzung', wird das Thema Elektrik schwierig umzusetzen sein." Mario Heitmann, SMC. Bild: fluid / hei

Nun anzunehmen, dass da eine Technik entwickelt worden ist, für die es einfach keinen ausreichenden Markt gibt, wäre jedoch falsch. Denn gerade die Elektrik kann eine Antwort sein auf viele Anforderungen, die die Visionen der Industrie 4.0 stellen – allen voran die Flexibilität. Um das zu verdeutlichen, lohnt es sich wieder, einen Blick in die Automobilindustrie zu werfen.

Hier lief früher ein Wagenmodell über eine Produktionsstraße. Heute sollen verschiedene Varianten eines Modells auf ein und derselben Straße produziert werden; eine einzige Tür kann heutzutage bis zu 2000 Varianten haben. In dem früheren Szenario war die Pneumatik das Nonplusultra: „Wenn man immer gleiche Produkte greifen möchte, ist die Pneumatik unschlagbar – sei es in Sachen Anschaffungskosten, seien es die Wartungskosten“, steht für Markus Schepper fest. Die einzige Einschränkung seien hier die etwas höheren Energiekosten.

Produktvarianten greifen – wie es in der Zukunft mehr und mehr von der Technik verlangt werden wird – das geht jedoch nur mit der Elektrik reibungslos. Markus Schepper berichtet: „Hier setzen unsere Kunden gerne elektrische Greiftechnik ein, aufgrund der unterschiedlichen Positionen, Geschwindigkeiten, Beschleunigungen, die mit diesen Greifern realisiert werden können.“

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Hohes Wachstum: Schaut man sich die Wachstumszahlen an, ist die Elektrik der klare Gewinner. Hier liegt das Wachstum deutlich im zweistelligen Bereich. Für den Maschinenbau wird er mit 20 Prozent beziffert. Bild: © dim4ik69 - Fotolia.com

Die Nachgefrage besteht. Markus Oerder begleitet das Thema bereits durch einen großen Teil seines Berufslebens: „Bereits vor 20 Jahren hieß es, wenn man im Vertrieb tätig war: Wenn ihr nicht nächstes Jahr die Elektrospanner habt, dann seid ihr ganz schnell vom Markt verschwunden.“ Vor zehn Jahren hat Univer dann einen kompletten Rohbau mit Elektrospannern ausgestattet.

Aber woran scheitert es, wenn bereits vor zwei Jahrzehnten Druck von Seiten der Anwender gemacht wurde? Denn es geht den Komponentenherstellern nicht darum, einfach ihr Produktportfolio umzustellen und ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Es sind die Anwender mit ihren jeweiligen Applikationen, die nach einem Technologiewechsel verlangen. Als Hindernisfaktor kommen jedoch immer wieder die Kosten ins Spiel.

Die können nicht immer bei den Maschinenbauern hängen bleiben, sie wünschen sich daher mehr Zusammenarbeit. Das ist für Mario Heitmann von SMC eine der Haupthürden: „Solange von den Maschinenbauern erwartet wird, ihr macht das schon – und ihr macht das alleine, ohne dass man sich interdisziplinär verzahnt – wird das Thema schwierig.“

Denn beide Seiten müssen bereit sein zu investieren: die Hersteller genauso wie die Anwender. Genau hier sind aber auch die Projekte von Univer häufig ins Stocken geraten. Markus Oerder berichtet von Projekten, die soweit waren, dass das gesamte Lastenheft eines Kunden abgedeckt war und sich klar gezeigt hat, dass die Elektrik die Technik wäre, die am besten geeignet wäre – investieren wollte der Kunde jedoch nicht.

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Geht es darum, die Produktion zu flexibilisieren und an die Visionen der Industrie 4.0 anzupassen, bieten sich elektrische Greifer und Spanner an: für sie sind unterschiedliche Geometrien ein Kinderspiel. Bild: © Patrick P. Palej - Fotolia.com

Und noch einen Punkt gilt es zu beachten: Ein Unternehmen, das sich entscheidet, mit elektrischen Komponenten auszurüsten, muss das Know-how dazu besitzen. Können die Mitarbeiter beispielsweise die Instandhaltung der Komponenten abdecken? Ein Punkt, der möglicherweise zu weiteren Kosten für den Anwender führt: er muss in seine Mitarbeiter und deren Schulung investieren.

Natürlich steht er hier nicht alleine da. Auch die Komponenten- und Systemlieferanten bauen den Bereich Elektrik bereits weiter aus. Markus Oerder beziffert den Anteil neueingestellter Mitarbeiter, der sich auf die, wie er es ausdrückt „neuen Technologien“ fokussieren soll, mit zehn bis 20 Prozent.

Bei SMC treibt man das Thema vor allem im sogenannten German Technical Center voran, das einen Schwerpunkt auf den Bereich der elektrischen Komponenten hat und dementsprechend geschulte Mitarbeiter benötigt. „Parallel dazu fokussieren wir uns auf die Anwendungsingenieure, die wir im Feld unterwegs haben“, so Mario Heitmann.