Bild: Syda Productions, srki66, fotolia

Bild: Syda Productions, srki66, fotolia

Es sind die Anwender, die sich noch vor Investitionen scheuen, die für einen Umstieg nötig wären. Der Frage, wann und warum sich die Elektrik oder ein Umstieg weg von der Pneumatik lohnt, sind Experten von Univer, Festo und SMC zusammen mit fluid auf den Grund gegangen.

Markus Oerder ist seit 2006 Geschäftsleiter bei Univer und Internationaler Vertriebsleiter Automotive des italienischen Mutterhauses. Zuvor hat er bei Norgren Automotive unter anderem als Produktmanager und Vertriebsleiter gearbeitet.

„Ich sehe hier keinen Kampf Pneumatik gegen Elektrik, sondern mache mir Gedanken, wann und wo welche Technik vorteilhaft und effizient eingesetzt werden kann. Aktuell betrachten wir weniger die Technik selbst, sondern die Frage, wie diese in einem großen Karosseriebau serienmäßig und prozesssicher gehandhabt werden kann.“

Zunächst: Der Vorreiter hat es noch nicht vorgemacht. Kündigen sich technische Revolutionen für Produktionshallen an, so ist die Automobilindustrie schnell vorne mit dabei, wenn es darum geht, das Neue auch einzusetzen. Und das, während viele andere Industrien noch darüber reden. Der Automobilbau ist die Vorreiterbranche.

„Absolut. Gerade im Bereich der Energieeffizienz, im Bereich der Betrachtung der Total Cost of Ownership, sind die Automobiler einfach immer die Erstgenannten. Und die treiben letztendlich den ganzen Markt vor sich her; dementsprechend auch uns als Komponenten- und Systemlieferanten“, so Markus Schepper, Produktmanager bei Festo.

Rückblende auf ein prominentes Beispiel: 1961 nahm der erste Industrieroboter seine Arbeit auf. Natürlich war es ein Automobilkonzern, der sich an diese Technik heranwagte, die bis dahin reinste Science-Fiction war. General Motors in New Jersey erkannte jedoch das Potenzial und setzte den Unimate zum Manipulieren und Schweißen von Druckgussteilen für Kfz-Karosserien ein.

Heute sind Roboterarme aus der Fertigung nicht mehr wegzudenken – und das betrifft viele Industriebranchen. Die Automobilisten haben hier schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Markus Schepper ist Produktmanager für elektrische Antriebstechnik im Vertrieb Deutschland bei Festo. Er bringt über 15 Jahre Erfahrung in der elektrischen Antriebstechnik mit und befasst sich mit dem Querschnittsthema Energieeffizienz in der Automatisierungstechnik.

„Ob pneumatische oder elektrische Greifer gewählt werden, hängt von vielen Faktoren ab. Maßgebend sollte die Applikation sein und nicht die Präferenz einer Energieform.“

Jetzt sieht es so aus, als würden derzeit wieder alle ein Auge auf den Vorreiter werfen: langsam scheint Bewegung in das Thema Elektrik versus Pneumatik in der Greif- und Spanntechnik zu kommen. Noch können sich die Pneumatiker – sogar in der Vorreiterindustrie – bequem zurücklehnen. Der Anteil pneumatischer Spanntechnik tendiert im Karosserierohbau locker noch gegen 100 Prozent. Allgemein in den gesamten Rohbau haben sich seit einigen Jahren lediglich einige Servoschweißzangen eingeschlichen.

Aber genau dieses Vordringen wird irgendwann den Wendepunkt bringen: „Sobald mehr und mehr Produkte elektrisch angetrieben werden, wird natürlich der Druck auf die anderen Produkte wesentlich größer“, schätzt Markus Oerder, Geschäftsführer bei Univer in Deutschland, die Lage ein.