Interview Roland Volk, Bild: fluid

fluid-Redakteurin Julia Lansen im Interview mit Roland Volk, Energieeffizienzberater bei Festo. Bild: fluid

Was genau beinhaltet Ihr Job als Energieeffizienz-Berater?

Zusammen mit unseren Kunden wollen wir Lösungen finden, die wirklich energieeffizient sind. Dabei beleuchten wir auch immer wieder den Vergleich zwischen Elektrik und Pneumatik genauer. Und es geht nicht nur darum energieeffiziente Lösungen zu finden, sondern auch um kosteneffiziente Lösungen. Man muss immer wieder die Situation neu betrachten, um eine neue optimale Lösung zu finden. Denn nicht immer ist Energieeffizienz auch kosteneffizient – und andersherum.

Sind Sie in der Forschungsabteilung Ihres Unternehmens angesiedelt? Oder arbeiten Sie mit diesen zusammen?

Wir sind ein strategisches Projektteam, das in der Forschung angesiedelt ist. Wir arbeiten natürlich auch mit Instituten und verschiedenen Universitäten zusammen, die sich um das Thema Fluidtechnik und elektrische Antriebstechnik kümmern. Meine Aufgabe ist aber zum großen Teil die Unterstützung der Vertriebskollegen im Inland und Ausland, wenn sie bei der Kundenberatung Support benötigen.

Wie groß ist Ihre Abteilung?

Wir sind vier Personen, die mit unterschiedlichsten Aufgaben betraut sind, Gremienarbeit, Berechnungen und Technologievergleiche, Support im Bereich der Produktentwicklung und der Support für unsere Kunden und Kollegen im In- und Ausland.

Wie sehen Ihre Projekte da aus?

Von der einzelnen Anlage bis zu ganzen Produktionslinien identifizieren wir Optimierungspotentiale, führen Messungen durch und berechnen die möglichen Energieeinsparungen aber immer unter dem Focus Total Cost of Ownership.

Was sind allgemein die am häufigsten begangenen Sünden?

Die größten Sünden sind Leckagen, die aufgrund mangelnder Wartung entstehen oder unnötige Verbraucher wie zum Beispiel Blasdüsen. „Luft kostet ja nichts“ – so die Annahme vieler Mitarbeiter, die an der Maschine arbeiten. Hier fehlt oft die Sensibilisierung. Ein weitere „Sünde“ sind zu hohe Drücke an den Anlagen, ein hoher Druck bedeutet nicht, dass die Anlage schneller läuft.

Wie kann am besten sensibilisiert werden?

Wir bieten Schulungen und Workshops für unsere Kunden an. Hier weisen unter anderem darauf hin, wo die Leckagen zu finden sind und wie sich das anhört. Dann rechnen wir aus, was das pro Jahr kostet.

Eine gute Beispielrechnung: Eine Leckage, die Sie gerade so hören, verliert zehn Liter pro Minute. Das heißt pro Jahr: 100 Euro an Verlusten pro Leckage. Und in dieser Größenordnung finden wir in den Anlagen sehr viele Leckagen. Da kommen in einem Unternehmen mittlerer Größe Verluste im Wert eines Fahrzeugs der oberen Mittelklasse zusammen.

Ist es schwer, von Verbesserungsvorschlägen zu überzeugen?

Etwas schwieriger ist es im Moment noch, die Maschinenbauer zu überzeugen. Die Betreiber kann man relativ einfach überzeugen, denn die wollen kosteneffizient produzieren, aber leider eigentlich kein Geld investieren – auch nicht für Energieeffizienz, das soll einfach so funktionieren.

Hier muss ein gewisses Umdenken stattfinden, so dass bei der Anschaffung von Komponenten oder auch gesamten Anlagen ein etwas höheres Investment nötig ist, was sich aber über über eine Amortisationszeit von zwei oder drei Jahren absolut bezahlt macht.

Ausstellung

Energieeffizienz erleben

Energieeffizienz Ausstellung

Bild: Festo

Wie das Unternehmen mit Energieeffizienz umgeht, zeigt auch die Ausstellung „Experience Energy Efficiency“ seit 2014 im Stammhaus in Esslingen-Berkheim. Videos, interaktive Exponate und Ausstellungsinseln mit eigenen Produkten machen das Thema für Kunden und Interessenten erfahrbar. Im Mittelpunkt steht der vierstufige Ansatz, der das Zusammenspiel von intelligenter Auslegung, energieeffizienten Produkten und Lösungen, nachhaltigen Services sowie fundierter Schulung beschreibt.

Engineering-Konzept zur Auslegung von Anlagen

Mit dem Engineering-Konzept wird gezeigt, wie sich Anlagen energieeffizient auslegen lassen. Ein Designobjekt an der ersten Ausstellungsstation vermittelt mit einer elektromechanischen Spindelachse und einem pneumatischen Linearantrieb einen Einblick in die technische Komplexität. Die Bedeutung der ganzheitlich betriebswirtschaftlichen Sicht – Experten sprechen von Total-Cost-of-Ownership oder TCO – zeigen die Anschaffungs- und Energiekosten von drei verschiedenen Handlingsystemen über eine Betriebszeit von mehreren Jahren bei unterschiedlichen Zykluszeiten. Der Besucher kann für ein pneumatisches, ein elektrisches und ein kombiniertes Handlingsystem die gewünschte Amortisationszeit einstellen und die für ihn wirtschaftlichste Lösung ermitteln.

Energieeffiziente Automatisierung

Im zweiten Teil der Ausstellung können Besucher erfahren, wie sich mit den Produkten und Systemlösungen des Unternehmens Automatisierungsfunktionen energetisch effizient verwirklichen lassen. Im Mittelpunkt steht eine Anlage zum Spitzen von Bleistiften, die den Besucher mit animierten Bildern über die umgesetzten zwölf Maßnahmen und die erreichbaren Einsparmöglichkeiten informiert. Wie sich beispielsweise mittels kürzerer Schlauchlängen energieeffizienter mit Druckluft umgehen lässt, demonstrieren dezentrale Ventilinseln, die sehr nahe an den Antrieben platziert wurden.

Dienstleistungen und Weiterbildung

Der Besucher erfährt im dritten Teil, wie sich bestehende Druckluftanlagen- und -systeme mit Hilfe der Leistungen der Festo Energy Saving Services nachhaltig verbessern lassen. Das Modell eines Verdichterblocks demonstriert dazu sehr anschaulich die Funktionsweise eines Schraubenkompressors. Pulsierende Lichtemissionsdioden (LED) simulieren dabei die Druckluft, Strom und Wärme. Um das Verbinden zwischen theoretischem Wissenserwerb und praktischer Anwendung geht es im vierten Baustein von Festo Didactic. Besucher können hier verfolgen, wie Kontroll- und Steuerbefehle die Energieeffizienz in einer Anlage beeinflussen.