Pronto

Bei konventionellen Drehfuttern senkt das Backenschnellwechselsystem Pronto von Schunk die Backenwechselzeit um bis zu 95 Prozent. Bild: Schunk

Angesichts sinkender Losgrößen, reduzierter Lagerbestände und enger Margen nehmen viele Betriebe ihre Nebenzeiten und insbesondere die Rüstzeiten von Werkzeugmaschinen kritisch unter die Lupe. Kein Wunder: Im Zweischichtbetrieb summieren sich die Rüstkosten schnell auf über 10.000 Euro pro Jahr. Müssen darüber hinaus immer wieder weiche Backensätze neu ausgedreht werden, kommen weitere Kosten hinzu.

Deshalb hat Schunk bereits vor Jahren die Effizienzpotenziale des schnellen Backenwechsels erkannt und sein standardisiertes Spanntechnikprogramm kontinuierlich um immer neue Rüstzeitturbos erweitert. Die jüngste Innovation ist der Schnellwechsel-Nachrüstsatz Pronto, mit dem sich die Vorteile des schnellen Backenwechsels auch auf vorhandenen Drehfuttern nutzen lassen. Mit einer Wechselzeit von fünf Sekunden pro Backe ermöglicht es bei konventionellen Drehfuttern mit Spitzverzahnung 1/16’’ x 90° beziehungsweise 1,5 mm x 60° enorme Einsparungen. Aufgrund der hohen Wechselwiederholgenauigkeit von 0,02 Millimeter ist das Schnellwechselsystem auch für Präzisionsanwendungen geeignet.

THW plus 1

Einen rasanten und zugleich hochpräzisen Backenwechsel ermöglicht das Kraftspannfutter Rota THW plus: Spannung lösen. Bild: Schunk

THW plus 2

Einen rasanten und zugleich hochpräzisen Backenwechsel ermöglicht das Kraftspannfutter Rota THW plus: Backen mit dem Ausklinkschlüssel wechseln. Bild: Schunk

Das Schnellwechselsystem besteht aus Träger- und Wechselbacken. Es eignet sich zur Außenspannung von Roh- und Fertigteilen. Zum wiederholgenauen Backenwechsel wird die Verriegelung einfach mit einem Sechskantschlüssel gelöst, die Backe entnommen und durch eine andere ersetzt. Dabei ist eine Fehlpositionierung ausgeschlossen.

Ein Sechs-Seiten-Formschluss sorgt in verriegeltem Zustand für maximale Prozessstabilität und ermöglicht eine hohe Kraft- und Drehmomentübertragung. Passend zur jeweiligen Anwendung stehen drei Trägerbackenvarianten für kleine, mittlere und große Spannbereiche zur Wahl. Als Aufsatzbacken bietet das Familienunternehmen vier harte Kralleneinsätze für unterschiedliche Durchmesser und Spannbereiche sowie weiche Wechseleinsätze für die Fertigteilbearbeitung.

Einmal ausgedreht können letztere immer wieder auf dem System genutzt werden. Besonders clever: Über die Auswahl des Wechseleinsatzes lässt sich der Spannbereich ohne Umrüsten der Trägerbacke um bis zu 16 Millimeter erweitern, bereits heute ein Plus von 300 Prozent gegenüber herkömmlichen Drehfuttern.

Zur AMB (16. bis 20. September 2014 in Stuttgart) bringt Schunk weitere Pronto Wechseleinsätze auf den Markt, die eine Spannbereichserweiterung um bis zu 45 Millimeter erlauben. Die Spanntiefe ist über Auflagebolzen variierbar.

Besonders komfortabel sind Drehfutter mit serienmäßig integriertem Schnellwechselsystem. Auch sie senken die Wechselzeit für drei Spannbacken von zehn bis 15 Minuten auf wenige Sekunden. Hinzu kommt, dass weiche Backensätze aufgrund der hohen Wechselwiederholgenauigkeit <0,02 Millimeter nur einmal ausgedreht werden müssen und anschließend immer wieder verwendet werden können.

THW-Plus 3

Einen rasanten und zugleich hochpräzisen Backenwechsel ermöglicht das Kraftspannfutter Rota THW plus: Neues Werkstück spannen. Bild: Schunk

Im Vergleich zu den oben vorgestellten Nachrüstsätzen sind die Spannbacken leichter und sie beanspruchen weniger Raum in der Höhe. Hinzu kommt, dass die Spannbacken durch die Modulverzahnung auch radial in ihrer Position veränderbar sind und somit sehr schnell unterschiedliche Durchmesser gespannt werden können.

Backenwechsel ohne Fehler

Der Backenwechsel ist denkbar einfach: So genügt bei den universell einsetzbaren Keilstangen-Kraftspannfuttern Rota THW plus eine Vierteldrehung mit dem Ausklinkschlüssel, um die Grundbackenverzahnung bei geöffnetem Futter zu entriegeln. Nachdem die neue Backe eingesetzt und die Keilstangenverzahnung sicher in die Grundbackenverzahnung eingerastet ist, lässt sich der Schlüssel zurückdrehen.

Ein Federmechanismus wirft schließlich den Schlüssel aus und verhindert so, dass er versehentlich im Futterkörper vergessen wird. Fehlbedienungen sind damit ausgeschlossen. Das identische Schnellwechselprinzip kommt bei dem speziell für die Schwerzerspanung mit besonders breiten Backenführungen ausgestatteten Rota THWB sowie bei dem vielseitig einsetzbaren Rota THW vario zum Einsatz.

Werkzeugloser Wechsel

Beim Universalhandspannfutter Rota-S plus 2.0 und dem gerade verzahnten Präzisions-Handspannfutter Rota-G wiederum ist der Backenschnellwechsel sogar komplett werkzeuglos gelöst: Über einen Knopf am Futterkörper wird ein Raststift betätigt, der die jeweilige Spannbacke entriegelt. Nach dem Backenwechsel positioniert der Raststift automatisch die Grundbacke zur Keilstangenverzahnung und sichert sie gegen ein Herausfallen.

Für zusätzliche Sicherheit beim Drehen sorgt ein Anzeigestift: Solange der Stift sichtbar ist, darf die Maschine nicht anlaufen. Erst wenn das Futter korrekt geschlossen und das Werkstück sicher gespannt ist, verschwindet der Stift im Futter – und die Bearbeitung kann beginnen. Noch flexiblere Einsätze erlaubt das Handspannfutter Rota-S flex. Es kombiniert Drehfutter der Baureihe Rota-S plus mit verlängerten Führungsbahnen und verwandelt diese in leichte und besonders vielseitige Großfutter. Gegenüber konventionellen Drehfuttern für große Spanndurchmesser sinkt das Gewicht mit Rota-S flex um bis zu 60 Prozent.

Zur Bearbeitung kleiner Teile können die verlängerten Führungsbahnen ganz einfach demontiert werden, wodurch die Zugänglichkeit der Werkstücke im Vergleich zur Spannung auf konventionellen Großfuttern deutlich verbessert wird. Ob mit oder ohne Führungsbahnverlängerung: Das werkzeuglos bedienbare Backenschnellwechselsystem des Rota-S flex gewährleistet in beiden Varianten Rüstzeiten von wenigen Sekunden. fa

Autorin: Nicole Pluskota, Schunk

Technik im Detail

schneller Backenwechsel

Schunk hat das das Know-how des schnellen Backenwechsels nun auch auf seine Greifer-Module übertragen. Die individuell anpassbaren Fingerrohlinge BSWS sind bereits serienmäßig mit einem Schnellwechselsystem ausgestattet. Bild: Schunk

Schnellwechsel bei Greiferbacken

Dass sich das Know-how von Backenschnellwechselsystemen auch auf andere Anwendungen übertragen lässt, zeigt Schunk mit seinen Schnellwechselbacken für Greifer-Module: Bei den Fingerrohlingen ABR-BSWS und SBR-BSWS ist das Schnellwechselsystem bereits serienmäßig integriert. Verglichen mit einem konventionellen Fingerwechsel senkt das System die Rüstzeiten um bis zu 90 Prozent.

Eine leicht zugängliche, formschlüssige Verriegelungsmechanik gewährleistet, dass der Fingerwechsel in Sekundenschnelle per 90°-Drehung eines Innensechskantschlüssels wiederholgenau erledigt ist.

Weil im Gegensatz zu den am Markt gängigen Lösungen keine Durchgangsbohrungen durch den kompletten Finger nötig sind, profitieren Anwender zusätzlich von einem Höchstmaß an Gestaltungsfreiheit bei der Fingerkontur: Die Finger können über ihre komplette Länge hinweg ans jeweilige Werkstück angepasst werden, ohne dass der Backenwechsel und die dafür erforderlichen Schraubverbindungen berücksichtigt werden müssen.

Die Schnellwechselfinger gibt es wahlweise in Aluminium (ABR-BSWS) oder in Stahl (SBR-BSWS).