Ventilsystem AV

Das Ventilsystem AV ist eines der Produkt-Highlights, die Aventics auf der Hannover Messe 2014 zeigen wird. Bild: Aventics

Auch die neue Marke Aventics wird erstmals im Fokus der Öffentlichkeit stehen – und Bewegung in den internationalen Pneumatikmarkt bringen.

„Für eine Übergangszeit werden wir eine Zweimarkenstrategie verfolgen, damit sich die Kunden an den neuen Namen gewöhnen können.“ Dr. Alexander Lawrence, Aventics

„Für eine Übergangszeit werden wir eine Zweimarkenstrategie verfolgen, damit sich die Kunden an den neuen Namen gewöhnen können.“ Dr. Alexander Lawrence, Aventics

Diesen Namen können sich Maschinenhersteller und Systemintegratoren für die Zukunft merken: Aventics. Die ehemalige Bosch Rexroth-Tochter Rexroth Pneumatics tritt nun als eigenständiges Unternehmen auf. Das Geburtsgewicht: Weltweit rund 2100 Mitarbeiter und insgesamt sechs Werke in Europa, USA und Asien. „Wir sind klein genug, um flexibel und schnell zu reagieren und groß genug, um weltweit in allen Wachstumsmärkten dabei zu sein“, beschreibt Dr. Thomas Brückner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Aventics, das neuaufgestellte Unternehmen.

Dr. Brückner

„Mit der Einführung unseres neuen
Namens läuten wir die nächste Generation der Pneumatik ein.“
Dr. Thomas Brückner,
Aventics

Zum 1. Januar 2014 hat die ehemalige Pneumatiksparte von Bosch Rexroth den Besitzer gewechselt. Das Unternehmen mit Sitz in Laatzen bei Hannover blickt nun selbstbewusst in die Zukunft. Dr. Brückner: „Wir verbinden das Beste aus zwei Welten: Bei uns treffen eine lange Tradition und das fundierte Know-how unserer Mitarbeiter auf viele neue Ideen und die Flexibilität eines mittelständischen Unternehmens“.

Mit dem Besitzerwechsel ändert sich auch der Name – sowohl für die Marke wie auch für das Unternehmen. Auf der Hannover Messe 2014 hat Aventics seinen ersten großen öffentlichen Auftritt, erstmals mit einem eigenen Stand und in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen Eigentümer Bosch Rexroth. „Für eine Übergangszeit werden wir eine Zweimarkenstrategie verfolgen, damit sich die Kunden an den neuen Namen gewöhnen können“, erklärt Dr. Alexander Lawrence, Geschäftsführer Vertrieb. Darum erscheint neben dem neuen Namen Aventics auch noch die alte Marke Rexroth Pneumatics.

„Wir sind ein neues Unternehmen mit langer Geschichte“, verweist Dr. Brückner auf die Firmenhistorie, die bis ins Jahr 1884 zurückreicht und mit dem Bau des ersten Pneumatikwerks in Hannover begann (siehe Kasten). Von der jahrzehntelangen Produkt- und Anwendungserfahrung werde das Unternehmen auch in Zukunft profitieren. Der neue Name markiere einen wichtigen Meilenstein in der Firmenhistorie. „Mit der Einführung unseres neuen Namens läuten wir die nächste Generation der Pneumatik ein“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung weiter.

Mit rund 2100 Mitarbeitern zählt Aventics nun zum soliden Mittelstand. Dabei ist das Unternehmen vom Start weg international aufgestellt und produziert in Deutschland, Frankreich, Ungarn, den USA und China. Auch die Marktabdeckung ist von Anfang an global: Aventics ist in 40 Ländern präsent. „Allein in Amerika haben wir im Vertrieb 600 Mannjahre Pneumatik-Erfahrung“, zählt Dr. Lawrence auf. Neben der Industriepneumatik ist das Unternehmen in den Bereichen Schiffstechnik, Truck sowie Zahnketten aktiv.

Dabei ist die Innovations-Pipeline gut gefüllt. „Traditionell haben sich früher nur zwei Unternehmen mit Kunststoffventilen beschäftigt, nämlich Rexroth und Bosch Automationstechnik“, erinnert sich Dr. Brückner. „Der Zusammenschluss in 2001 hat die Entwicklungskapazitäten verdoppelt und einen enormen Gewinn an Know-how gebracht.“ In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen auf dieser Basis den Einsatz von Hochleistungskunstoffen weiter vorangetrieben. Die neueste Generation von Kunststoffventilen, die AV-Serie, ist so leicht und kompakt wie nie zuvor. Die Ventile wiegen nur halb so viel wie Metallventile und sind bloß noch so groß wie eine Visitenkarte.

Kunststoffventile

Halb so schwer wie konventionelle Ventile: Kunststoffventile der AV-Serie von Aventics senken den Druckluftverbrauch.

„Aus der Druckindustrie kommen die Forderungen nach Toluol-beständigen Kunststoffen, in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie steht die Säurefestigkeit im Lastenheft“, erklärt Dr. Lawrence. Aktuelle Ventilgenerationen, wie die Clean-Line von Aventics, erfüllen diese Anforderungen. Ihr Material ist von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zertifiziert, und sie sind mit lebensmitteltauglichen NSF-H1-Fetten befüllt. Kunststoffventile aus der aktuellen Serienfertigung von Aventics bewähren sich sowohl in sauberen als auch schmutz- und staubbelasteten Umgebungen. „Tests zeigen, dass unsere Kunststoffventile mehr als 120 Millionen Schaltzyklen durchhalten – damit sind wir Benchmark“, berichtet Dr. Lawrence.

Die Zukunft der Pneumatik hängt auch davon ab, wie sie eine höhere Energieeffizienz erreicht, um die Gesamtbetriebskosten (total cost of ownership) zu senken. Hier bietet die Kunststofftechnik einen entscheidenden Hebel. Je kleiner und leichter Ventile sind, desto näher am Aktuator können sie platziert werden. Das reduziert die Totvolumina und die zu bewegenden Massen.

Mit der neuen Ventilserie AV gelang Aventics der entscheidende Durchbruch bei der Miniaturisierung. AV – kurz für Advanced Valve – kombiniert die Fortschritte in der Kunststoffverarbeitung mit einem neuen Konstruktionsprinzip. Im Vergleich zu konventionellen Ventilen gleicher Leistung ist die AV-Serie um die Hälfte leichter und um mehr als 50 % kompakter. In der Praxis erreichen Maschinenhersteller damit Drucklufteinsparungen von bis zu 20 Prozent. Weitere Reduzierungen erzielen sie mit dem ab Mitte 2014 verfügbaren elektropneumatischen Druckregler für eine applikationsspezifischen Druckgestaltung innerhalb des AV-Systems. Sie sind eines der Highlights in Hannover (Halle 17, Stand B22).

Die modular aufgebaute AV-Serie in aktuell zwei Durchflussgrößen fügt sich über ebenfalls in Kunststoff gefertigte Anschaltelektroniken in verschiedensten Automatisierungsumgebungen ein und kommuniziert mit allen gängigen Feldbussen. Damit ist sie offen für alle üblichen Steuerungen im Maschinen- und Anlagenbau. „Wir fokussieren uns ganz eindeutig auf Pneumatik und konzentrieren uns auf Branchen, in denen wir ein besonderes Anwendungs-Know-how haben“, bekräftigt Dr. Brückner. Dazu zählen Automotive, Nahrungsmittel und Getränke, Medizintechnik aber auch die Schwerindustrie. „Wir sind stolz darauf, ein Spezialist für Nischen zu sein, denn dort bieten wir unseren Kunden einen klaren Mehrwert durch unsere Erfahrung und unsere Produkte“, fasst Dr. Lawrence zusammen.

Autor: Meike Müller-Wiegand, Aventics, www.aventics.com

130 Jahre…

…Pneumatik aus Hannover

Bereits seit 130 Jahren kommen Pneumatikkomponenten und -systeme aus Hannover. 1884 errichtete Westinghouse Wabco dort ein Werk zur Herstellung von Pneumatikventilen für die damals boomende Eisenbahnindustrie. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich daraus auch der Bereich Steuerungstechnik für Industrie, Bahn und Marine, der das Werk 2 in Hannover-Linden bezog. 1989 verkaufte Westinghouse Wabco diese Aktivitäten an die damalige Mannesmann Rexroth. Der Zukauf des 1945 gegründeten schwedischen Unternehmens Mecman verstärkte die Marktposition. Parallel baute die Bosch-Automationstechnik eigene Pneumatikaktivitäten auf und erwarb 1996 die 1946 gegründete französische CPOAC mit Sitz in Bonneville. Mit dem Zusammenschluss von Mannesmann Rexroth und Bosch Automationstechnik entstand 2001 ein gemeinsamer Unternehmensbereich. Unter neuem Eigentümer agiert das traditionsreiche Unternehmen ab Frühjahr 2014 unter dem Namen Aventics. Aventics hat heute rund 2100 Mitarbeiter weltweit. Neben Produktionsstätten in Laatzen, Gronau/Leine, Bonneville (Frankreich), Eger (Ungarn), Lexington (USA) und Changzhou (China) ist das Unternehmen mit seinem Vertrieb in über 40 Ländern präsent.