Gert Müller, Bild: Gemü

Gert Müller ist geschäftsführender Gesellschafter bei Gemü. Bild: Gemü

Wie stehen Sie zu der Fragestellung „Standard, oder geht da noch was?“ in Bezug auf Ventile und Ventilsysteme?

Ein reines Sortiment aus Standardprodukten reicht aus unserer Sicht schon lange nicht mehr aus. Die Differenzierung vom Wettbewerb funktioniert am ehesten durch kundenspezifische Elemente und Funktionalitäten, die die Armatur genau auf die Anwendung des Kunden zuschneiden. Erst wenn der Kunde keine Kompromisse in seiner Anlagenkonfiguration eingehen muss, wird er in die Lage versetzt, die Anlage am wirklichen Betriebsoptimum zu betreiben.

Die an der fluid Expertenrunde im Oktober 2016 teilnehmenden Experten haben folgende Themen als Trendthemen in diesem Bereich identifiziert: Industrie 4.0 und Vernetzung, Funktionsintegration sowie Safety. Sehen Sie die gleichen oder andere Trends?

Ich sehe hier auch das Thema Industrie 4.0 / Vernetzung ganz oben auf der Trendliste. Wir bei Gemü befassen uns seit Längerem mit dieser Thematik und sind seit Sommer diesen Jahres mit unserem System Conexo auf dem Markt. Der Zuspruch in unserem Kundenkreis für eine elektronische Erfassung und Identifikation von Ventilen und Anlagenkomponenten hat uns selbst überrascht.

Wie stehen Sie zu den folgenden Aussagen: „Standardkomponenten sind als Basis notwendig, um im nächsten Schritt kundenspezifische Varianten entwickeln zu können“?

An erster Stelle steht aus meiner Sicht der Anwendungsfall des Kunden, dieser muss zufriedenstellend gelöst sein, die Frage ob dies durch eine Standardkomponente oder durch eine kundenspezifische Konfiguration erfolgt, stellt sich erst in zweiter Linie.

„Ohne eine eigene Elektronikentwicklung kommt man heute als Pneumatikhersteller oder Komponentenlieferant nicht mehr klar“ hieß es in der Expertenrunde, was sagen Sie?

Hier kann ich nur zustimmen. Die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung erweitert das Spannungsfeld zwischen Mechanik und Elektrik um die Softwaretechnik. Erst wenn das Know-how für diesen Paradigmenwechsel auch im eigenen Haus liegt, können die Produkte und daraus abgeleiteten Lösungen schnell und effizient zur Marktreife gelangen.

„Entscheidend ist der frühe Einstieg in einen Entwicklungsprozess zusammen mit einem Kunden. Lässt man den Kunden hier zu lange alleine, baut er sein Schema auf dem auf, was er kennt und das ist im Zweifel Standardpneumatik. Hierbei übersieht er die Möglichkeiten, die er eigentlich hat.“ Ihre Einschätzung?

Das ist korrekt, der Schlüsselkunde sollte schon früh in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden. Dies jedoch nicht nur, um ihn frühzeitig über die eigenen Lösungen und Vorhaben zu informieren, sondern auch um sicherzustellen, dass die Produktinnovation den Anforderungen des Marktes entspricht und die richtigen Schwerpunkte gesetzt wurden.

Was ist Ihre Vision, wenn Sie an das Pneumatikventil oder -ventilsystem der Zukunft denken?

Dadurch dass sich die Wartungsintervalle ständig verlängern (müssen), ist es immer notwendiger, die Abläufe in der Anlage und somit in jeder relevanten Komponente besser zu verstehen.

Das Ventil der Zukunft ist wartungsarm, leicht zu bedienen, und gibt klare Zustandsinformationen an die übergeordnete Steuerung weiter. Somit kann unter Berücksichtigung jeder Komponente ein Wartungsintervall festgelegt werden, welches eine optimale Balance zwischen Betriebssicherheit und Abnutzungsvorrat darstellt. Gemü hat mit seinem System Conexo schon den ersten Schritt dazu getan: Ventile können über RFID-Technologie elektronisch erfasst und Ventilinformationen wie zum Beispiel „Zeitpunkt der nächsten Wartung“ können über eine Mobile App ausgelesen werden.