Forschung und Industrie 4.0, Bild: Mimi Potter - Fotolia

Forschung und Industrie 4.0, Bild: Mimi Potter - Fotolia

Geht sie nun unter oder nicht? Von Nicht-Pneumatikern hört man immer wieder die vernichtende Vorhersage: „Lange wird es die Pneumatik nicht mehr geben.“ Dagegen sprechen jedoch immer noch die Marktdaten, die der VDMA über die Branche herausgibt. Die Pneumatikbranche wächst weiter. Und auch wenn sich die vom VDMA gestellte Prognose von neun Prozent Wachstum für 2015 nicht erfüllt hat, ergibt sich im Vergleich zu 2014 für den Markt aktuell ein Umsatzwachstum von 3,4 Prozent.

„Als Herausforderungen können schwächelnde Bereiche wie zum Beispiel Textilmaschinenbau, Druck- und Papiermaschinen genannt werden“, sieht Christian Ziegler, Manager Marketing Communications bei SMC, die Lage. Er geht auch auf eine sehr spezifische Herausforderung, die VW-Abgasaffäre, ein: „Wir alle können nur vermuten, wohin die Reise auf dem Automobilmarkt geht, und wie die Branche die aktuellen Ereignisse verkraftet.

Wir spüren die Vorsicht deutlich und müssen feststellen, dass aktuell große Investitionen zurückgehalten werden. Zulieferer der Automobilindustrie verzeichnen aktuell einen Umsatzrückgang“, so Ziegler. Für 2016 sieht er trotzdem weiterhin ein moderates Wachstum von vier bis fünf Prozent.

Dieter Michalkowski, Global Account Manager bei Aventics, hebt für 2015 hervor, dass der Markt national stärker gewachsen sei als international. Vor allem sieht er, dass die Situationen in Russland und Griechenland nicht einfach waren und es kurzfristig auch nicht werden. Seine Prognose für 2016 ist verhalten. Er geht davon aus, dass der Markt stagnieren wird.

Sowohl bei Aventivs als auch bei SMC erwartet man weiteres Wachstum durch die Automation. Hier treiben vor allem Deutschland und Asien den Markt an. SMC sieht darüber hinaus Wachstum im Bereich Werkzeugmaschinen und in der Elektrotechnik. „Größeres Wachstum sehen wir in der Medizintechnik, in welcher wir einen Anstieg um fünf bis zehn Prozent erwarten. Auch für die Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen prognostizieren wir Zuwachs größer fünf Prozent“, so Ziegler.

Pneumatik und Industrie 4.0

Bei SMC beschäftigt man sich im Kontext Industrie 4.0 mit dem Thema dezentrale Intelligenz und den Chancen, die sich daraus ergeben. Die Möglichkeit, dass sich Produktionssysteme selbst zu intelligenten Netzwerken verbinden, gewinnt hierbei zunehmend an Bedeutung. Eine weitere interessante Komponente, die in diesem Zusammenhang zu nennen ist, sind intelligente Objekte, die nicht nur ihre Umgebung erkennen, sondern ihr Verhalten an diese anpassen.

Im Fokus steht für das Unternehmen hierbei auch immer die Wirtschaftlichkeit. So sind beispielsweise die Kosten für eine Losgröße von einem Stück die gleichen wie für ein Produkt, das aus einer Massenproduktion resultiert. Möglich wird dies durch optimierte Prozesse und Bestände und eine hohe Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette.

Um die Wettbewerbsfähigkeit am Markt sicherzustellen, hat das Unternehmen verschiedene Themen identifiziert:

  • Niedrige Produktionskosten
  • hohes Innovationspotenzial durch Verbindung von IT und Produktion
  • Zukunftssicherung von Standorten
  • Erfüllung individualisierter Kundenwünsche auf hohem Qualitätsniveau, bei höherer Flexibilität und Robustheit sowie optimalem Ressourceneinsatz
  • Verschmelzung der physischen Produktionswelt mit der virtuellen Welt, der Informationstechnologie und des Internets
  • Vernetzung von Menschen, Maschinen, Objekten, Systemen und Kommunikation in Echtzeit
  • Mensch und Roboter kollaborieren miteinander
  • unternehmensübergreifende Verbindungen aller Instanzen der Wertschöpfungskette in intelligente (cyber-physikalische) Produktionssysteme.

Das Unternehmen verfolgt hierbei eine Doppelstrategie und setzt auf externe und interne Anwendungen. Extern bedeutet, dass den Kunden Produkte und Lösungen für Industrie-4.0-Anwendungen geboten werden. Zudem verfügt das Unternehmen in seinem neuen Industrial Application Center über Möglichkeiten, Automatisierungslösungen gemeinsam mit seinen Kunden zu entwickeln. Industrie 4.0 kann somit als eine entscheidende Komponente für Automatisierungsprozesse in der Zukunft gesehen werden. Die Zielsetzung hierbei: Optimierung von Produktivität und Auftragssteuerung.

Aber auch intern lebt man bei dem Pneumatiker Industrie 4.0 und arbeitet bereits in verschiedenen Abteilungen mit 4.0-Anwendungen. So ist man zum Beispiel bei Themen wie Paperless shop floor, Energy Saving, Lean Engineering, horizontale Vernetzung und Ergonomie bereits mitten in der Umsetzung von 4.0.

fluid hakt nach

Christian Ziegler

Christian Ziegler,
Manager Marketing Communications, SMC. Bild: SMC

Zwei Fragen an Christian Ziegler, SMC

Vor welchen Herausforderungen steht die Pneumatik-Branche für 2016? Drückt irgendwo der Schuh?

Eine besondere Herausforderung, die sich allen Firmen stellt, ist der zunehmende digitale Bestellprozess. Erforderlich ist hierbei eine stetige Optimierung des Bestellprozesses und den darin gespiegelten Aufgaben wie Auswahl, Berechnung, Konstruktion, Bestellung, After Sales. Bereits heute sind hier hohe Wachstumsraten zu verzeichnen, und ein Ende ist bisher nicht in Sicht.

Wo der Schuh drückt? In der Automobilbranche, im Speziellen bei der Situation rund um den Volkswagen: Nur schwer vorstellbar und ebenso wenig einzuschätzen sind die Auswirkungen dieser Situation für die gesamte Branche. Zum heutigen Zeitpunkt ist es nicht ein Schuh der drückt, eher ein großer Stiefel: Wie diese Herausforderung zu meistern ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden.

Welche Bedeutung hat das Thema Industrie 4.0 für die Pneumatik?

Als Hersteller pneumatischer und elektrischer Automatisierungstechnik wirkt SMC natürlich an Entwicklungen zur Industrie 4.0 mit. Die zentrale Frage lautet: „Welchen Grad an Anpassungsfähigkeit benötigen unsere Produkte, damit sich in Industrie 4.0 beschriebene Szenarien abbilden lassen, und wie kann eine solche Anpassungsfähigkeit koordiniert werden?“

Eines dieser Szenarien beschreibt die Produktion der Zukunft: Weg von der Massenfertigung mit wenigen Serien hin zu kundenspezifischen Kleinserien oder gar zur Losgröße 1. Hier soll das Produkt die Fertigung steuern, und Maschinen und Anlagen sollen ihre Konfigurationen im Produktkontext autark anpassen. Eine grundlegende Voraussetzung dafür ist die informations- und steuerungstechnische Vernetzung von allen Komponenten und Instanzen, die an der Wertschöpfung beteiligt sind. In einer solchen Umgebung spielen IT und Software eine sehr wichtige Rolle. Um die Datenmengen und Anforderungen, die sich hier in Zukunft ergeben, bedienen zu können, werden leistungsfähige und offene Schnittstellen benötigt. Diese in unsere Komponenten zu integrieren, ist unser Bestreben.

Die Fragen stellte Julia Lansen, Redaktion