Falkirk Wheel

Bild: Falkirk Wheel

Unter dem Slogan „Buchen Sie eine Bootstour und segeln Sie 35 Meter in den Himmel“, ködert eine Agentur pro Jahr ungefähr eine halbe Million wagemutiger Touristen für einen vierzigminütigen Kurztrip. An fliegende Schiffe hat sich die Welt spätestens seit dem jüngsten Finale des America‘s Cups gewöhnt, als sich die Hightech-Katamarane aus den USA und Neuseeland in der Bucht von San Francisco spektakuläre Rennen vor der Silhouette der Golden Gate Bridge lieferten. Aber die Highländer werben nicht für eine kühne Himmelfahrt in scheinbar schwerelosen Extremschiffen. Sie bewegen ihre Boote mit Hilfe einer gigantischen Riesenradkonstruktion durch die Luft: dem Falkirk Wheel.

Falkirk Wheel

Wo der Forth and Clyde Canal und der Union Canal aufeinander treffen, muss ein Höhenunterschied von 35 Metern zwischen den beiden Seestraßen überwunden werden. Bild: Falkirk Wheel

Die Reise durch die schottische Unterwelt ist schon abenteuerlich genug. Die Passagiere bekommen in ihrem Boot weder mit, dass über ihnen der Verkehr zwischen Edinburgh und Glasgow rollt, noch dass Heerscharen unternehmungslustiger Touristen auf den Ruinen des antiken Antoniuswalls herumturnen. Wenn sie den Tunnel verlassen, wartet auf sie der eigentliche Clou, während sie auf eine Allee von sieben gewaltigen stählernen Bögen zutreiben, hinter denen sich die schneebedeckten Berge der Highlands abheben.

Der „Union Canal“ mündet in ein turmhohes Aquädukt, das nach hundert Metern wie abgehackt über dem Abgrund schwebt. Der Blick in die schwindelerregende Tiefe bricht sich an einem breiten, hufeisenförmigen Bassin, in dem mehrere mit Tagesausflüglern besetzte Boote darauf warten, nach oben gehievt zu werden.

Bootstransfer

Für den Bootstransfer benötigen die Schiffe gerade mal 15 Minuten. Bild: Falkirk Wheel

„Als springender Punkt beinhaltet das Falkirk Wheel eine Vereinigung aus unterschiedlichen Gebieten der Technik, die eine gemeinsame Einheit bilden“, betont Nicholas Cooper, Direktor für Ingenieurwesen beim Planungsunternehmen Atkins Global.

Die auch ästhetisch ansprechende Konstruktion besteht aus zwei gewaltigen Stahlarmen von 35 Metern Länge, die das Aussehen einer keltischen Doppelaxt besitzen. Mit etwas Phantasie lässt sich in ihnen aber auch ein überdimensionaler Zigarrenabschneider oder der Krummschnabel eines riesigen Greifvogels erkennen.

Die beiden Ausleger kreisen am Ende einer 28 Meter langen zentralen Achse, zwischen denen zwei 22 Meter lange Container befestigt sind, die sich stets diametral gegenüberstehen. Diese nach oben offenen Fördertröge sind zum Teil mit Wasser gefüllt und in der Lage, je vier bis zu 20 Meter lange Boote zu transportieren. Befindet sich eine Gondel am höchsten Punkt, liegt sie auf einer Linie mit dem Aquädukt, das sie mit dem Union Canal verbindet. Zur gleichen Zeit ruht dann die zweite Gondel in einem Bassin am Ende des Forth and Clyde Canals.