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Zum Pflichtprogramm der Krane gehörten neben zahlreichen Zertifizierungen und Produktionsanforderungen auch ein Überlasttest mit 125 Prozent der Nennlast bei geneigten Kranbahnen, um Ozeanwellen zu simulieren. Bilder: Stahl Cranesystems

Zum laufenden LNG-Großprojekt Ichthys gehört auch eine Offshore-Produktions- und Lagereinheit (Floating Production Storage und Offloading Unit, FPSO). Dieses Verarbeitungsschiff baut Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering. Für die Vergabe der Krantechnik bewertete Inpex zusammen mit dem koreanischen Unternehmen mehrere Kranhersteller aus verschiedenen Ländern. Der australische Kranbauer Eilbeck Cranes erhielt schließlich den Auftrag. Dieser Anbieter ist auf explosionsgeschützte Anlagen spezialisiert und ein Partnerunternehmen der Stahl Cranesystems aus Deutschland.

Ichthys LNG-Projekt

Das FPSO für das Ichthys LNG-Projekt wird in Okpo, Süd Korea gebaut. Bild: Stahl Cranesystems

Zuvor wies Eilbeck Cranes bei zahlreichen Treffen nach, dass es technisch und organisatorisch in der Lage ist, den Projektanforderungen gerecht zu werden. Dazu gehörte neben Zertifizierungen zum Beispiel auch ein Überlasttest mit 125 Prozent der Nennlast bei geneigten Kranbahnen für alle Krane. Das Unternehmen argumentierte mit Referenzprojekten in der australischen Gasindustrie, den eigenen Fertigungsmöglichkeiten und den Qualitäts- und Sicherheitsstandards der Komponenten von Stahl Cranesystems. Auch hatte Eilbeck schon zuvor über den EPC-Contactor JKC Australia LNG mehrere Krane für die Onshore-Anlage nahe Darwin geliefert, die zum Ichthys-Projekte gehört.

Funktionsfähig bei Kälte und Stromausfall

Der Auftrag umfasste sechs Krane, darunter eine Sonderlösung zum Heben der Strahlruder des FPSO-Schiffes. Der Kran muss zuverlässig und sofort verfügbar sein, wenn Wartungsarbeiten an den Strahlrudern nötig werden. Hierfür entwickelte das Unternehmen einen Zweiträgerlaufkran mit einer Tragfähigkeit von 70 Tonnen. Der Hersteller bestückte ihn redundant mit zwei 50-Tonnen-Winden vom Typ SHWF 8. Zwei fünf-Tonnen-Seilzüge dienen als schnelle Hilfshubwerke. Außerdem verfügt der Kran über eine spezielle Zentrifugalbremse, mit der die Anwender eine Last auch bei Stromausfall noch sicher abgelassen können.

Die Fahrantriebe – sowohl für Kran- als auch für Katzfahrten – verfügen über Zahnstangenantriebe, mit denen sie auf dem Schiff auch bei Seegang einsatzbereit sind. Alle Hebezeuge des Strahlruder-Krans modifizierte der Hersteller für den Offshore-Einsatz und den möglichen Kontakt mit Meerwasser, zum Beispiel in Form einer zusätzlichen Spezialschmierung der Lager und durch eine besonders dicke Lackschicht von 240 Mikrometer.

Insgesamt werden in der Offshore-Anlage sechs Eilbeck-Krane montiert, drei davon in explosionsgeschützter Ausführung. Die Krane dienen zum Verladen von Containern oder als Wartungskrane an den Maschinen. Stahl Cranesystems lieferte Seilzüge und weiter Komponenten. Die Konstrukteure des Unternehmens legten dabei sämtliche FPSO-Krankomponenten als Sonderanfertigung für Umgebungstemperaturen bis 45 Grad Celsius aus. Außerdem verfügen die Krane über Standheizungen, damit sie auch bei niedrigen Temperaturen stets verfügbar sind.

Für das Unternehmen war es nicht der erste Auftrag in diesem Bereich: Für das Adriatic-LNG-Projekt vor der Küste Italiens lieferte Stahl Cranesystems 30 explosionsgeschützte Seilzüge, die speziell für den Einsatz auf hoher See konzipiert wurden. Da die Anlage sehr groß und massiv ist, spielte Seegang hier – anders als bei Schiffen oder FPSOs – aber kaum eine Rolle. do

Autor: Jan Türk, Stahl Cranesystems

Hintergrund

Ein Mammut-Projekt

Das Ichthys-Feld liegt etwa 220 Kilometer vor der Küste Westaustraliens. Ein Joint Venture aus Ipex, Total und anderen Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche will die unterirdischen Vorkommen erschließen. Die Beteiligten erwarten eine Ausbeute von 8,4 Millionen Tonnen Flüssigerdgas (LNG) und 1,6 Millionen Tonnen Flüssiggas (LPG) pro Jahr sowie täglich rund 100.000 Barrel Kondensat zu Spitzenzeiten, sobald die Förder- und Aufbereitungsanlagen einsatzbereit sind. Anfang 2015 hatten sie 64 Prozent fertiggestellt.

Geplant sind mehrere Bohrungen, die mit einer zentralen Offshore-Anlage verbunden sind. Dort findet die erste Stufe der Verarbeitung statt. Der größte Teil des Kondensates wird von dort zu einer schwimmenden Lager- und Verladeeinheit (FPSO) transferiert und weiterverarbeitet. Eine 889 Kilometer lange Pipeline verbindet die Offshore-Strukturen mit den Onshore-Verarbeitungsanlagen nahe der Stadt Darwin. do