UX 5201 Super,  Bild: Amazone

Die Lenkachse des UX 5201 Super von Amazone verfügt über einen Lenkwinkel von maximal 28 Grad, der sich im Feldeinsatz in unterschiedlichen Lagen bewährt. Bild: Amazone

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland hat sich in den letzten acht Jahren um etwa ein Prozent pro Jahr verringert. Im Jahr 2017 gab es 267.800 Betriebe. Die landwirtschaftlich genutzten Flächen sind jedoch mit rund 16,7 Millionen Hektar in etwa gleich geblieben. Der Anteil an Öko-Flächen betrug dabei rund ein Zehntel. Die verbleibendenden, stetig größer werdenden Betriebe setzen auf größere Maschinen, um die Effizienz zu steigern und damit bei gleichbleibendem Preisgefüge die Nachfrage bedienen zu können. Neben strenger werdenden Vorgaben zu Emissionen stellen größere Maschinen auch eine Herausforderung bei der Auslastung dar, die es bei den gestiegenen Anschaffungskosten zu gewährleisten gilt. Der Trend geht daher in Richtung Elektronifizierung und Digitalisierung. Die Unternehmen setzen dabei verschiedene Schwerpunkte.

Vorsatzgerät, Bild: Claas
Verschiedene Vorsatzgeräte für Claas-Mähdrescher bieten die notwendige Flexibilität, um unterschiedlichste Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Triticale oder Raps, aber auch Mais, Sonnenblumen, Flachs, Bohnen, Linsen, Hirse, Gras- oder Kleesamen zu ernten. Bild: Claas

Bei Claas, einem der weltweit führenden Hersteller von Landtechnik, weiß man, dass die Land- und Forstmaschinenbranche generell durch die zunehmende Professionalisierung ihrer Kunden geprägt ist. Deren Produktivität in der globalen Landwirtschaft hält laut dem Hersteller gut mit der Steigerung der Nachfrage mit, wodurch die Endproduktpreise auf einem eher niedrigen Niveau liegen. Das hat Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit, in der nur gut geführte Betriebe mit effizienten Produktionsverfahren und moderner Technik bestehen.

Der Grad der Automatisierung und datengestützten Optimierung der Produktionsprozesse steigt. Jedoch sind erhebliche Teile der Entwicklungsressourcen in der Landtechnik durch die Abgasvorschriften für motorgetriebene Maschinen und die Umsetzung der Grenzwertvorschriften für Stickoxyd- und Feinstaubemissionen gebunden, so die Kritik aus dem Hause Claas. Diese Ressourcen stehen für Innovationen in anderen Technologiefeldern wie der Effizienzsteigerung nicht zur Verfügung. Bei dem Landtechnikhersteller ist man deshalb gegen weitere regulatorische Eingriffe zur Reduktion von klimaschädlichen Gasen.

Zu den Innovationen, die das Unternehmen aktuell umgesetzt hat, gehören die Neuerungen bei den Vorsatzgeräten der Mähdrescher: Das neue Draper-Schneidwerk Convio Flex eignet sich neben der Ernte von Getreide und Raps dank des flexiblen Messerbalkens ebenso für Früchte wie Soja, Erbsen und Gras. Fahrer kann das Schneidwerk optional so einstellen, dass es sich dynamisch, um 135 Millimeter nach unten und 90 Millimeter nach oben, an den Bodenverlauf anpasst. So können über die gesamte Arbeitsbreite von maximal 12,3 Meter auch bodennahe Früchte ohne große Verluste geerntet werden.

Einen verbesserten Gutfluss stellt eine mit neuer Kontur entwickelte Haspel über eine einstellbare Kurvenbahn sicher, bei der selbst liegendes Getreide vor dem Schnitt angehoben wird. Die Anpassung der Zugkraftregelung an die jeweils entsprechende Höhe erfolgt automatisch über den hydraulischen Haspelantrieb. Anhand von vorgegebenen Druckwerten wird verhindert, dass die Zinken der Haspel in den Boden einfahren. Die Verwicklung von Erntegut in der Haspel wird durch ein Flip-Over-Konzept vermieden. Zur Entlastung des Messerbalkens lässt sich der Auflagendruck über das hydropneumatische System Active Float anpassen.

Bild: Krone

„Die Automatisierung in Landmaschinen wird deutlich zunehmen. Leistungsfähige Hydraulik- und Elektronik-Lösungen sind Grundvoraussetzungen für effiziente Landtechnik. Der Vernetzungsgrad der Maschinen steigt stetig, der Einsatz von Sensorik nimmt zu. Einsatzsicherheit und Prozessoptimierungen lassen sich durch intelligente Vernetzung und offene Schnittstellen erreichen.“  

Klaus Martensen, Krone

Steigende Anforderungen an die Hydraulik

Bei Amazone sieht man neben steigenden Anforderungen von Kundenseite den Trend hin zu größeren Arbeitsbreiten und höheren Arbeitsgeschwindigkeiten. Gleichzeitig gilt es, den Fahrer durch Assistenzsysteme und Automatisierung von Prozessen zu entlasten. Damit steigen die Anforderungen an die Genauigkeit von hydraulischen Regelsystemen. Anwendungen mit niedrigem Energiebedarf wie etwa Dosierung werden daher eher rein elektrisch konzipiert. Gegenüber der hydraulischen Lösung kann dies häufig günstiger und mit genauerer Regelbarkeit umgesetzt werden.

Bei großen Anwendungen bleibt die Hydraulik unverzichtbar. So ist die selbstfahrende, von einem 160 Kilowatt starken Sechs-Zylinder-Dieselmotor angetriebene Feldspritze Pantera 4502 mit einer hydraulischen Vorderradlenkung, einer Vierradlenkung und Hundeganglenkung für unebenes Gelände ausgestattet, die jeweils auf Knopfdruck aktiviert werden können. Der entsprechende Lenkwinkel wird an die Arbeitsgeschwindigkeit angepasst. Das ermöglicht eine Leistungsoptimierung insbesondere auf kleinen Flächen.

Bild: Claas

„Die landtechnische Industrie fühlt sich den Zielen einer weiteren Vermeidung von gesundheitsschädlichen und Klimagas-Emissionen verpflichtet. Unterschiedliche staatliche Regulierungen sind jedoch kontraproduktiv und innovationsfeindlich. Zur weiteren Reduzierung von Emissionen sollte daher ein wettbewerbsgetriebener Ansatz gefördert werden, der einen höheren Nutzen für die Gesellschaft wie auch für die Landwirtschaft erwarten lässt.“

Eberhard Nacke, Claas

Das hydropneumatisch gefederte Tandemfahrwerk mit automatischer Niveauregulierung wird abhängig von Füllstand und Fahrgeschwindigkeit geregelt. Im Zusammenspiel mit der Aufhängung wird damit das Gestänge in der Horizontale ruhig und selbst bei schräger Hanglage stabil gehalten. Insgesamt geht die Konstruktion bei Amazone davon aus, dass die Leistungsanforderungen an die Hydraulik besonders in den kleinen und mittleren Traktorleistungsklassen weiter steigen.

Convio Flex, Bild: Claas
Mit dem Convio Flex von Claas lassen sich dank flexiblem Messerbalken auch bei Früchten wie Soja, Erbsen oder Gras hohe Ernteleistungen erreichen. Bild: Claas

„Mit dem Ziel, die vorhandenen Aktoren einer Maschine immer präziser zu verfahren, wird die elektronische Ansteuerung der hydraulischen Funktionen weiter optimiert werden. Neben der Signalverarbeitung von beispielsweise Potentiometern zur Positionserfassung werden in Zukunft aber auch immer mehr aktuell noch rein hydraulische Signale wie Load-Sensing-Drücke in Steuerblöcken durch elektronische Sensoren und Algorithmen ersetzt“, so Frank große Prues, Konstruktion Pflanzenschutztechnik Module bei Amazone.