Viele Innovationen für die Zukunft der Landwirtschaft kommen von Maschinenbauern. Sichtbar wird das auf der Agritechnica durch die Verleihung des Innovation Awards der DLG. Ganz wie bei den Lebensmitteln in den Supermärkten werden dort Silbermedaillen und Goldmedaillen vergeben, die hervorragende Neuerungen auszeichnen sollen.

Ein Konzept, das schon im Vorfeld der Messe für viel Aufmerksamkeit sorgte, ist das Mars-Projekt von Fendt in Kooperation mit der Hochschule Ulm. Der Traktorenhersteller aus dem Allgäuer Land nutzt hier die derzeit viel diskutierte elektrische Antriebstechnik. So kann das Unternehmen in diesem Jahr nicht nur einen vollelektrischen Traktor der 50-kW-Klasse präsentieren, sondern zeigt mit den kleinen Feldrobotern erstmals Einheiten zur Feldbearbeitung, die mit jeweils knapp 50 Kilogramm wegführen vom Trend der letzten Jahre, immer größere Traktoren zu bauen.

Die Idee dahinter? Eine Transporteinheit fährt eine ganze Armada der Robotertraktoren zum Einsatz auf das Feld, wo sie sich mithilfe eines Algorithmus selbst organisieren. So soll der Acker effizienter und ökologischer zu bewirtschaftet werden. Denn die Traktoreinheiten pflanzen Setzlinge und Samen punktgenau und legen die Koordinaten der Pflanzung in einer Software ab. So können Düngung und Bewässerung der einzelnen Pflanze angepasst werden. Ausgezeichnet wurde diese Entwicklung, die Automatisierung und nachhaltige Landwirtschaft vereint, mit der Silbermedaille des Innovation Awards.

  • Feldhäcksler Serie 8000, Bild: John Deere

    John Deere's Feldhäcksler der Serie 8000 sind selbstfahrende Landmaschinen, ausgestattet mit modernster Futtererntetechnik. Damit ermöglichen sie eine um bis zu 15 Prozent höhere Produktivität, erhöhte Einsatzsicherheit, geringere Betriebskosten sowie schnellere und einfachere Wartung. Mit an Bord: Ein zusammen mit Bosch Rexroth entwickeltes Hydraulik-Konzept für Erntevorsatz- und Vorpresswalzantriebe. Durch die Kombination beider hydrostatischer Kreise über einen Ventilblock können weitere wichtige Funktionen des Feldhäckslers ohne zusätzliche Pumpen oder Motoren umgesetzt werden. Bild: John Deere

  • Hydraulik-Kreisläufe, Bild: Bosch Rexroth

    Die Kreisläufe: Der Kreis des Erntevorsatzantriebs: Verstellpumpe (A) mit Konstantmotor (B) Der Kreis des Vorpresswalzenantriebs (inkl. Quick-Stopp-Funktion): Verstellpumpe (C) mit Verstellmotor (D) Der Kreis für die Bremsfunktion der Häckseltrommel und das Schleifen der Messer: Verstellpumpen (A + C) verbunden über Ventilblock (E). Die Kombination der hydrostatischen Kreise von Erntevorsatz- und Vorpresswalzenantrieb ermöglicht eine Umsetzung von zwei wichtigen Zusatzfunktionen des Feldhäckslers: die Schleiffunktion für die Messer der Häckseltrommel und die Bremsfunktion für die Häckseltrommel. Beide Funktionen nutzen die Tatsache, dass die Erntevorsatzpumpe und die Häckseltrommel am selben Antrieb angebracht sind. Dadurch kann die Erntevorsatzpumpe zum hydrostatischen Antrieb oder Abbremsen der Häckseltrommel genutzt werden. Bild: Bosch Rexroth

  • Vorpresswalzen und Häckseltrommel, Bild: Bosch Rexroth

    Vorpresswalzen (links) und Häckseltrommel mit Riemenantrieb: Während des Erntebetriebs erfolgt der Antrieb der Häckseltrommel über einen Riemenantrieb. So wird eine hohe Effizienz des Hauptantriebs der Maschine gewährleistet. Bild: Bosch Rexroth

  • Feldhäcksler Serie 8000, Bild: John Deere

    Zur 8000er-Serie gehören auch die Modelle 8300 (490 PS mit einem 13,5-Liter-Motor der Abgasstufe IV/FT4); 8700 (766 PS mit einem 19,0-Liter-Motor der Abgasstufe II/Tier2) und 8800 (843 PS mit einem 19,0-Liter-Motor der Abgasstufe II/Tier2). Bild: John Deere

  • Feldhäcksler Serie 8000, Bild: John Deere

    Der Feldhäcksler ausgestattet mit LED-Lichtpaketen. Bild: John Deere

  • Schulung mit AR, Bild: Bosch Rexroth

    Bei Komponenten für selbstfahrende Feldgeräte ist noch lange nicht Schluss. Bosch Rexroth setzt auch auf Augmented Reality. Das Unternehmen nutzt die Technologie zur Erläuterung komplexer technischer Sachverhalte in der Mobilhydraulik und -elektronik. Bild: Bosch Rexroth

Immer mehr Sensoren auf dem Acker

Neuheiten, das heißt in diesem Jahr auf der Landtechnikmesse vor allem eines: Es steckt ein Sensor in der Maschine. Doch die Installation eines Sensors alleine hilft nicht. Deshalb hat der Landmaschinenbauer Pöttinger sieben Jahre in die Entwicklung einer neuen Technologie namens Sensosafe gesteckt, die ebenfalls mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wird. Dabei handelt es sich um optische Infrarotsensoren mit integrierter LED-Beleuchtung, die Tiere während des Mähens erkennen und ein Signal an die Mähwerkshydraulik senden. Die Hydraulik hebt das Mähwerk darauf automatisch aus, das Tier wird so gerettet. So wurde das Ziel erreicht, Wildtiere bei vollem Tageslicht und hoher Sonneneinstrahlung von anderen Hindernissen zu unterscheiden.

Über autonome Entscheidungen von Fahrzeugen wird derzeit viel diskutiert. Damit das funktioniert, müssen die Maschinen direkt miteinander kommunizieren. Diesen Ansatz hat Claas mit dem, ebenfalls mit Silber prämierten, Alarmsystem „Telematics Large Vehicle Alert System“ verfolgt. Fahrer vernetzter Autos werden dadurch über Position und Status von landwirtschaftlichen Maschinen auf ihrer Route informiert. So sollen in Zukunft Staus auf den Landstraßen verhindert werden können.

Doch der Einsatz von Sensoren ist nur ein Teil der voranschreitenden Digitalisierung in der Agrarbranche. Dahinter steckt die Jagd auf Daten. Denn diese werden auch in der Landwirtschaft zum neuen Saatgut für die Zukunft. Deshalb richten einige Hersteller in der Landtechnik den Fokus ihrer Zukunftsstrategie auf die Kundenbindung. Dafür kommt ein proprietäres Datenmanagementsystem zum Einsatz. Auch arbeiten sie an einer effizienten Erfassung, Speicherung und Auswertung von Daten entlang der kompletten landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Entsprechend sensibel reagieren die Landwirte darauf. Diese Entwicklung kritisiert auch der DLG, weil Bauern so leicht in Abhängigkeit von einzelnen großen Herstellern geraten.

Deshalb fordert der Verband offene Standards, sodass ein Wechsel für Bauern jederzeit möglich ist. Doch nicht nur die Landwirte sind davon betroffen, auch für die Hersteller der Komponenten und Teilsysteme ist das eine große Herausforderung. Letztlich werden durch die Digitalisierung also auch in der Landtechnik, oder besser in der digitalisierten Landwirtschaft, Äcker und Wälder neu abgesteckt.

Die branchenpolitischen Diskussionen, ausgelöst durch die Digitalisierung, können jedoch nicht verbergen, dass es auf der Messe auch um neue klassische Maschinenlösungen geht. Das zeigt auch der Besucheranteil der Maschinen- und Anlagenbauer aus dem Jahr 2015. Immerhin neun Prozent der Besucher kamen aus dieser Branche. Die Sonderschau Systeme und Komponenten wird deshalb 2017 ein Besuchermagnet werden.